| Hauptsache billig? Heute schon geramscht? |
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Hauptsache billig?Heute schon geramscht?
Was hat der Konsument von der Empfehlung, sich bei seiner Kaufentscheidung ausschließlich am Preis zu orientieren? Nicht viel, wagt da der kritische Betrachter zu behaupten. Verschiedene Fälle der letzten Monate belegen, dass der Verbraucher in vielen Fällen draufzahlt, wenn die Kaufentscheidung vorher nur im Hinblick auf den finanziellen Aspekt gefallen ist. So standen dereinst die willigen Käufer bereits Stunden vor Geschäftsbeginn in langer Schlage vor verschlossener Tür bei einem großen Lebensmitteldiscounter, um einen (gar nicht mal so billigen) Rechner zu ergattern, der nahezu alles zu können schien. Für aktuelle Computerspiele reichte dann die Grafikkarte aber doch nicht so ganz aus (+ 300 €). Viele derjenigen, die den Rechner hauptsächlich für Büroanwendungen nutzen wollten waren von der Lautstärke, die jenseits eines auch nur ansatzweise erträglichen Geräuschpegels lag, unangenehm überrascht.
Alle anderen aber, die am PC-Arbeitsplatz die nötige Ruhe vermissten, waren schnell der Verzweifelung nahe. War doch das unlängst erstandene Staubsauger-Derivat mit 2 GHz Rechenleistung, Hyper-Ultra-Soundkarte, High-Power-Extrem-DVD-Brenner und Festplatte einer Größe, die für den illegalen Download von mindestens 250.000 Musiktiteln und fast ebenso vielen Pornoschnipselchen geeignet war, als Arbeitsgerät nicht zu gebrauchen. Das erkannten natürlich auch Vertriebsprofis aus der EDV-Branche und schufen schnell Abhilfe: Der Super-Extrem-Ultra-Silent-Kit für den Discounter-Staubsauger/PC-Zwitter kostete nur 600 € und verhalf dem Schnäppchen-PC schlussendlich zu einer Lautstärke, die für einen modernen Arbeitsplatz-PC als absolut üblich und natürlich auch vorgeschrieben ist. So waren dann letztendlich alle Käufer dieses Rechners glücklich. Die Sache hatte nur einen Haken: Allein der Super-Extrem-Ultra-Silent-Kit für das Gerät kostete weit mehr als jeder handelsübliche Qualitäts- bzw. Marken-PC mit aktuellem Betriebssystem (ca. 450 €). Und so liegt es nahe, dass natürlich der Discounter und der Anbieter des Super-Extrem-Ultra-Silent-Kit am allerglücklichsten waren.
Gerät einschicken, heißt da in der Regel die Devise, selbstverständlich vollständig und in angemessener Verpackung. „Und was ist mit meinen vertraulichen Daten auf der Festplatte?“, fragt sich der Discounter-PC-Besitzer. Sie ahnen sicher die Antwort: was soll schon damit sein? Den Discounter interessiert’s jedenfalls nicht – schon gar nicht unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten. Richtig unangenehm wird’s, wenn der defekte Discounter-PC in angeblich unzulässiger Weise durch einen Super-Extrem-Ultra-Silent-Kit modifiziert worden ist. Hat das Gerät vielleicht durch unsachgemäße Montage dieses Bausatzes das Zeitliche gesegnet? Oder sollte man vielleicht vor dem Einschicken des Gerätes den Originalzustand wieder herstellen? Sonst fehlt bei der Rücksendung des reparierten PCs (ca. vier bis acht Wochen später) womöglich etwas. Wenn zu allem Überfluss das Sprichwort „Zeit ist Geld“ Anwendung findet, weil der unlängst eingeschickte Rechner auch beruflich genutzt wird, so ist spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem man sich sogar zwei Marken-PCs hätte kaufen können. Und so trifft denn der eine oder andere auch notgedrungen die Entscheidung, sich schon mal einen Ersatz-PC zu kaufen, um wenigstens rudimentär weiterarbeiten zu können.
Niemand wird abstreiten wollen, dass Qualität immer noch ihren Preis hat. Natürlich ist es technisch sogar möglich, einen VW-Käfer mit einem Porsche-Motor auszustatten. Vielleicht erreicht der Käfer damit auch die Geschwindigkeit eines Porsche – wenn nicht vorher das Getriebe den Geist auf gibt, die Bremsen versagen oder das Fahrwerk nicht mitspielt. So sei hier abschließend der Hinweis gestattet, dass eine auf reinen Zahlen basierende Kaufentscheidung nicht zu empfehlen ist. Zwei Autos mit je 200 PS sind in den seltensten Fällen ebenbürtig, wie in unzähligen Tests nachzulesen ist. Genau so verhält es sich mit Computern. 2 GHz und 300 GB Festplatte sind keine Anzeichen für einen qualitativ hochwertigen PC. Und was können Sie sonst noch von Ihrem Discounter erwarten, wenn Sie dereinst ein EDV-Problem haben? Die Antwort ist vermutlich einfach: NICHTS! Die Abbildungen des Müllcontainer-Computers stammen vom tschechischen case modder “ZdenekSveda”. Alle Komponenten sind innerhalb des Müllcontainers untergebracht mit den nötigen Ausgängen an der Rückseite und dem CD-ROM-Laufwerk vorne an der Seite.
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Nachdem uns nun seit mehr als einem Jahr Werbebotschaften durch den Alltag begleiten, die uns glauben machen, Geiz sei geil oder Statements in den Raum stellen wie „Es lebe billig“ ist es Zeit, diese Aussagen einmal genauer zu betrachten:
Natürlich kommen hier die Billig-Verfechter mit schlagkräftigen Argumenten: der geneigte Konsument schaut doch auch auf seinem Mobiltelefon-Display in bahnbrechender Auflösung, Farbtiefe und Größe (ca. 3 x 3 cm) ganze Videofilme. Wer also mit dem Telefon Fernsehen schaut, für den dürfte die Tatsache, dass der neue PC sich anhört wie ein 1800-Watt Staubsauger oder der auf maximaler Leistung laufende Haarfön der Frau des Hauses nicht überraschend sein. Ganz im Gegenteil freut sich diese Sorte Konsumenten sicher auf die nächste Discounter-PC-Generation, die dann nicht nur wie ein Staubsauger klingt, sondern sich auch zum Staubsaugen verwenden lässt. Die Markteinführung dieser Geräte dürfte zusammen mit der nächsten Waschmaschinen-Generation erfolgen, mit der man dann auch den Rasen mähen kann.
Und dann wäre da noch die Frage nach dem Kundendienst, der professionellen Beratung und im Fall der Fälle die Erwartungshaltung des Käufers nach schneller und professioneller Reparatur seines Gerätes. Hier steht der Käufer im Falle des Falles häufig genug im Regen. Während man zu einem Markengerät von HP oder Fujitsu-Siemens für deutlich unter 100 € eine Garantieverlängerung auf drei Jahre mit Vor-Ort-Service und Reaktionszeit am nächsten Arbeitstag erwerben kann wenn das 450€-Markengerät diese Garantie nicht ohnehin schon mitbringt, bleibt beim Discounter PC oft kaum eine Wahl: 
